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  Willkommen im Armen Theater  
   

 

 

 

Armes Theater


 

 

 

 

 
Totaler Akt
 

 

Training
 

 

 

 

 

 

 

Aufführungspraxis
 

 

 

 

 

Autobiografisches
 
Theatermacher
Jerzy Grotowski

 
Der internationale Ruf des Theatermachers Jerzy Grotowski ist nicht ohne Eugenio Barba denkbar. Die Arbeit Eugenio Barbas ist nicht ohne Jerzy Grotowski denkbar.
 
Jerzy Grotowski (1933-1999) gründete zuerst im polnischen Opole 1959 ein Theaterlaboratorium. 1965 siedelte er es nach Wroclaw um. Dort bestand es bis ins Jahre 1984. Das "Arme Theater" Grotowskis stellt den Schauspieler und seine Beziehung zum Publikum in das Zentrum seiner methodischen Erforschungen. Eine Methode des Schauspiels entsteht, die grundlegend für die Schauspielausbildung im XX. Jahrhundert ist.
 
Das "Arme Theater" konzentriert sich auf die grundlegenden Bestandteile der theatralen Situation. Die unmittelbare Kommunikation zwischen Schauspieler und Publikum bildet die Essenz der theatralen Situation. Grotowski reduziert die Mittel des Theaters radikal auf den Schauspieler und die Beziehung zum Publikum.
 
Im "Totalen Akt" durchbricht der Schauspieler seine Einsamkeit. Er geht über sich selbst hinaus und findet sich wieder. Es ist ein Akt des Lebendigen im Hier und Jetzt. Der Schauspieler, der sich in einem "Totalen Akt" der Entblößung, dem Publikum offenbart, ist das Ideal der schauspielerischen Praxis Grotowskis.
 
Basis der Methode ist das körperliche Training. Dem Schauspieler, der den Weg der "via negativa" folgt, entwickelt objektivierte schöpferische Fähigkeiten. Das dynamische körperliche Training lehrt keine Tricks. Übungen dienen dazu den Körper in einen Zustand der Wachheit oder Präsenz zu versetzen. Körperliche Widerstände werden attackiert und eliminiert. Disziplin und Präzision wird durch Übungen gelehrt. Körpertechniken werden erprobt. Übungen des Yogas, akrobatische Übungen oder Stimmübungen sind in das regelmäßige Training integriert. Das Training dient der Erforschung des Körpers und soll den Schauspieler auf den "totalen Akt" vorbereiten. Der nackte Schauspieler begegnet mit Spontaneität und Disziplin dem Kontakt. In einem tranceartigen Zustand, in dem der Schauspieler innerlich und äußerlich aktiv ist, begegnet er dem Publikum. Ein Kontakt, der durch die Kraft der Imagination gelebt wird, besteht aus den sich bedingenden Polen Geben und Nehmen. Es geht um die Erschaffung von vorgestellten Räumen, die aus der Einbildungskraft des Schauspielers und dessen persönlichen Assoziationen entstehen.
 
Ryszard Cieslak gelang, der von Grotowski geforderte "Totale Akt", in "The Constant Prince" (1965). In der letzten Inszenierung "Apocalypsis cum Figuris" (1971) gelang dieser Akt laut Aussagen seiner Schauspieler dem gesamten Ensemble. Danach wandte sich Grotowski vom Theater ab und organisierte paratheatrale Experimente. Es war nicht mehr der Schauspieler, der ihn interessierte, sondern der zivilisierte Mensch, der den Kräften der Natur begegnet. Paratheatrale Aktionen fanden in naturräumlicher Umgebung statt. Seine Frage war, wie verändert sich Wahrnehmung und das Verhalten in herausfordernden Umgebungen. In einer weiteren Phase beschäftigte sich Grotowski mit der Stadtkultur. Grotowskis theatrale Suche führte weiter. Zuletzt arbeitete er mit Meistern interkultureller performing art Traditionen zusammen.
 
Das Arme Theater Grotowskis war Ausgangspunkt meiner theatralen Reise. Ich war nicht unmittelbarer Zeitzeuge seiner Arbeit. Mein Erfahrungen mit der Methode stammen aus der Zusammenarbeit mit deutschen Schauspielern, die bei Schauspielern Grotowskis gelernt hatten. Insbesondere arbeitete ich mit Christa Zehnder und Berhard Vierling zusammen. Zudem besuchte ich Workshops von Jolanta Cynkutis, Richard Nieoczym und Richard Schechner.
 
"Für ein armes Theater" von Jerzy Grotowski ist das grundlegende Werk über seine Theaterphase. Die Trainings-, Proben- und Aufführungspraxis des Theaterlaboratoriums wird darin ausführlich beschrieben. Grundlagenarbeit bildet die Basis des Trainings. Muskulärer Aufbau, ein funktionales warm-up Training und die Erweiterung der Wahrnehmugsfähigkeiten sind Grundvoraussetzungen, um das Training zu absolvieren. Isolationstechniken schulen und erweitern die Darstellungsfähigkeiten. Jedes Teil des Körpers wird isoliert bewegt. Beispielsweise wird die Schulter mobilisiert und in ihrer Ausdrucksfähigkeit geschult. Konkret heißt das, mit der Schulterpartie in Kontakt zu einem imaginären Bild zu sein und eine Geschichte nonverbal mit zu teilen.
 
Paratheatrale Experimente waren Bestandteil meiner theatralen Erfahrungen. In ungewohnten naturräumlichen Umgebungen wie Wäldern, wurden Augen verbunden und man jagte als Blinder etwas Sehendes. Es waren Erfahrungen, die an Initationsriten von Naturvölkern erinnern. Stark waren sie in ihrer Eindringlichkeit als Erfahrung, aber man hatte keine Möglichkeit sie in alltägliches Leben zu integrieren.
 
Konkreter auf Alltags Lebenswirklichkeiten zu geschnitten war "Action in the city" von Julian Knab (1988). Kontemplative Wahrnehmung von urbanen Kulturräumen stand im Zentrum dieser Arbeit.
 
   
 
 
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